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- aus Leonard Bernstein's "Konzert für junge Leute" -

Wir wollen jetzt untersuchen, was es mit dem furchterregenden Wort "Sonatenform" auf sich hat. Jahrelang bin ich um dieses Thema herumgeschlichen - nicht weil es so schwierig wär, sondern weil in unzähligen Musikstunden schon so viel darüber geredet worden ist, wobei oft nur eine Art musikalischer Straßenkarte mit einer Menge seltsam klingender Namen wie "Exposition" und "Reprise" und so weiter herauskommt. Aber ich hoffe, dass ihr euch am Ende dieses Kapitels unter der Sonatenform mehr vorstellen könnt als nur diese Begriffe.

Zuerst schauen wir uns einmal den Kopfsatz von Mozarts letzter Symphonie an, der Jupiter-Symphonie. Warum, fragt ihr, sollen wir eine Symphonie durchnehmen, wenn wir die Sonatenform untersuchen wollen? Die Antwort heißt: Eine Symphonie ist eine Sonate. Eine Sonate ist nämlich meistens ein Musikstück in mehreren Sätzen, das eine bestimmte Form hat. Und wenn in dieser Form ein Stück für ein Soloinstrument, beispielsweise Klavier oder Geige oder Flöte, komponiert wird oder für ein Soloinstrument mit Klavierbegleitung, dann nennen wir das eine Sonate.

Eine Sonate für drei Instrumente nennen wir Trio, bei vier Instrumenten heißt es Quartett, bei fünf Instrumenten Quintett und so fort. Wenn diese Form aber für ein ganzes Orchester Verwendung findet, heißt sie Symphonie. Ganz einfach. Eine Symphonie ist also eine Sonate für Orchester. Und mehr möchte ich im Augenblick nicht darüber sagen.

Hier erst einmal der Anfang der Jupiter Symphonie: {datmp3}Mozart_Jupiter.mp3{/datmp3}

Was uns an diesem Satz am meisten interessiert, ist seine Form, seine Gestalt. Die Gestalt einer musikalischen Komposition zu erfassen, ist für die meisten Leute besonders schwierig. An eine Melodie oder einen Rhythmus können sie sich leicht erinnern, selbst an harmonische Wendungen oder Gegenstimmen. Nur die formale Gestalt eines Stücks zu begreifen, ist schwierig, weil man es als Ganzes überblicken oder, besser gesagt, alles gleichzeitig hören muss, was natürlich gar nicht möglich ist, weil die Musik sich nicht im Raum abspielt, sondern in der Zeit. Wie sollten wir alles auf einmal hören können?

Bei einem Gemälde oder bei einer Kirche kann man die formale Gestalt auf Anhieb einigermaßen überblicken, denn sie ist im Raum. Auch wenn man auf das Podium eines Konzertsaals schaut, kann man es sofort überblicken und Gefallen an seinen Proportionen, seiner Ausgewogenheit finden.

Bei einem Musikstück muss man die Form hören. Und das braucht Zeit. Man muss eigentlich alle Noten im Kopf behalten, die man gehört hat, und erst am Ende erkennt man die formale Gestalt. Das klingt unmöglich, ist es aber nicht. Wenn man nämlich vorher eine Vorstellung davon hat - etwa dass es sich um eine Sonatenform handelt -, wird alles viel leichter, denn dann kan man fast vorhersagen, was für formale Dinge sich abspielen werden. Das machen wir jetzt und wollen herausfinden, was eine Sonate ist.

Das Wort Sonate hieß früher eigentlich nichts weiter als klingendes Stück und kommt von dem lateinischen Wort sonare, klingen. Eine Sonate war ein Stück, das von Instrumenten zum Klingen gebracht wurde, während eines, das gesungen wurde, Kantate geannt wurde, was von dem lateinischen Wort cantare, singen, kommt.

Erst in den letzten zweihundert Jahren hat der Begriff der Sonate eine bestimmte Bedeutung erlangt, die das ganze Stück, vor allem aber den ersten Satz betrifft. In der klassischen Sonate können die anderen Sätze formal verschieden sein, aber der Kopfsatz muss die sogenannte Sonatenform haben. Und diese Form des ersten Satzes ist die Grundlage für die Symphonie seit jener Zeit vor zweihundert Jahren bis in unser Jahrhundert. Daher ist es wichtig, dass man über diese klassische Grundform, die Sonatenhauptsatzform, Beischeid weiß.

Wie lassen sich die immense Beliebtheit und die Weiterentwicklung der Sonatenform über die Jahrhunderte hinweg erklären? Warum wirkt diese Form so vollkommen, so überzeugend?

Es sind vor allem zwei Dinge: ihre Ausgewogenheit durch die dreiteilige Form und die aufregende Gegenüberstellung von kontrastierenden Themen. Ausgewogenheit und Kontrast: In diesen beiden Wörtern steckt das große Geheimnis der Sonatenform.

Nehmen wir zunächst die dreiteilige Kunstform - etwas, was wir überall um uns sehen können. Zum Beispiel eine Brücke mit zwei großen Pfeilern an jedem Ufer und der Bogen über dem Wasser, der sie verbindet.

Das ist eine dreiteilige Form, die wir beim Betrachten als harmonisch empfinden. Oder denkt an einen gewaltigen Baum mit dem mächtigen Stamm in der Mitte und der Baumkrone ringsum, die sich wie ein Schirm ausbreitet. Auch das Gesicht von uns Menschen hat eine dreiteilige Form: Mund und Nase in der Mitte und zu beiden Seiten spiegelbildlich Augen und Ohren. All das sind Beispiele dreiteiliger Formen.

Eine solche grundlegende, natürliche Form müßte auch in der Musik ganz selbstverständlich sein. Und tatsächlich ist auch die einfachste Liedform dreiteilig. Nehmen wir das überall bekannte amerikanische Kiunderlied Twinkle, twinkle little star, dass im Deutschen Morgen kommt der Weihnachtsmann heißt: Es hat einen ersten Teil, den wir mit A bezeichnen: {datmp3}twinkle01.mid.mp3{/datmp3}

Dann kommt der Mittelteil, den wir B nennen:{datmp3}twinkle02.mid.mp3{/datmp3}

Dann wird der Teil A wiederholt, und das Lied ist zu Ende. {datmp3}twinkle01.mid.mp3{/datmp3}

Hier habt ihr also genau die dreiteilige A-B-A-Form.

Nun werden wir feststellen, dass diese einfache Form sich in längeren Liedern ein wenig verändert. Die meisten Schlager sind ziemlich streng in der A-B-A-Form geschrieben. Der einzige Unterschied (wir werden noch sehen, wie wichtig das ist) besteht darin, dass der erste A-Teil sofort wiederholt wird, bevor es in den B-Teil geht. So ist die Form eigentliche A-A-B-A anstelle von A-B-A. Es sind aber dieselben Teile, nur dass der erste A-Teil gleich nochmal gesungen oder gespielt weird. Nehmen wir zum Beispiel einen Song der Beatles, And I Love Her, und sehen uns einmal an, was da passiert. Zuerst der A-Teil: {datmp3}beatles01.mid.mp3{/datmp3}

Und dann wird dieser A-Teil wiederholt: {datmp3}beatles02.mid.mp3{/datmp3}

und so weiter. Teil A wird wiederholt. Und nun kommt der Teil B mit einer ganz anderen Melodie: {datmp3}beatles03.mid.mp3{/datmp3}

was uns dann wieder mit Glanz und Glorie zum Teil A zurückbringt: {datmp3}beatles04.mid.mp3{/datmp3}

So geht es immer weiter, bis zum Schluß. Das ist nicht viel mehr als bei dem Kinderlied vorhin, aber es ist doch ein Fortschritt. Der Beatles-Song ist sozusagen die Luxusversion mit wiederholtem A-Teil.

 Nun haben wir gelernt, eine dreiteilige Liedform klar zu erkennen, und können jetzt die Sonatenform in Angriff nehmen. Denn im Grunde ist die Sonatenform nichts anderes als die erweiterte dreiteilige Liedform: Der B-Teil in der Mitte wird von beiden Seiten durch den A-Teil flankiert. Und hier stoßen wir auf die häßlichen Namen von der Straßenkarte: Der erste Teil A wird Exposition genannt, ein Wort, das aus dem Lateinischen kommt und soviel wie Vorstellung (der Themen) bedeutet. Dann folgt der Teil B, in dem eines oder mehrere Themen des A-Teils vielfältig verändert und weiterentwicklet, durchgeführt werden; daher nennt man den B-Teil Durchführung. Und schließlich, wie erwartet, wird der A-Teil wiederholt, und dann nennt man ihn Reprise, die Wiederaufnahme.

Ziemlich kompliziert, oder? Mir liegt gar nicht so viel an diesen Wörtern, aber wie soll man ohne sie auskommen? Wir brauchen diese Fachausdrücke, damit wir uns verständigen können, und sollten und wenigstens die drei Worte Exposition, Durchführung und Reprise merken. Sie stehen für die A-B-A-Form der Sonate. Aber egal, welche Ausdrücke wir gebrauchen, das Prinzip der Dreiteiligkeit bleibt: die Ausgewogenheit durch die beiden A-Teil, die den Durchführungsteil B umschließen, ähnlich wie unsere Ohren die Nase flankieren.

Vorhin habe ich erwähnt, dass das Geheimnis der Sonate Ausgewogenheit und Kontrast ist - eines so wichtig wie das andere, denn beide geben der Sonatenform ihre aufregende Dramatik. Und wie kommt dieser Kontrast zustande? Jetzt müssen wir ein bißchen technisch werden; denn was ich jetzt erkläre, ist für die gesamte Sonatenform von entscheidender Bedeutung, ist ihre eigentliche Grundlage: der Umgang mit den Tonarten.

Fast jede Musik ist in einer bestimmten Tonart komponiert. Dies gilt weniger für die zeitgenössische, die Neue Musik, wohl aber für die meiste Musik, die ihr hört. Ihr habt gewiß Erfahrung gemacht, dass man manchmal etwas höher oder tiefer singen möchte, weil es sonst unbequem ist; das heißt, man möchte in einer anderen Tonart singen. Der Beatles Song vorhin stand in der Tonart Es-Dur. Aber er könnte auch in G-Dur stehen: {datmp3}beatles05.mid.mp3{/datmp3}

 

oder in C-Dur: {datmp3}beatles06.mid.mp3{/datmp3}

 

oder in einer anderen der insgesamt zwölf Dur-Tonarten. Aber welche Tonart wir auch nehmen, immer fühlen wir einen Grundton, ein Zentrum, einen Stützpunkt, wo die Musik zu Hause ist, von dem sie ausgeht und wohin sie zurückkehrt. Dieser Grundton wird Tonika genannt und ist die erste Note der Tonleiter, in der Tonart C-Dur als das C: 

 

und der Grundakkord ist der Dreiklang, der über der Tonika gebildet wird: 

 

Auch die anderen Töne der Tonleiter haben ihr eigenen Namen, aber damit wollen wir uns jetzt nicht plagen, mit einer Ausnahme, die ich euch zu merken bitte: die Dominante. So wird in jeder Tonart der fünfte Ton der Tonleiter genannt; bei C-Dur ist die Dominante also das G:

und der Dominantakkord wird über diesem G gebildet:

Nun kommt das Aufregende, wie diese beiden tonale Mittelpunkte, die Tonika und die Dominante, sich zueinander verhalten. Wenn ich jetzt die Tonika und dann die Dominante, also in dieser Reihenfolge, spiele: Was spürt man da? {datmp3}tondom.mid.mp3{/datmp3}

Irgend etwas scheint unbefriedigend, scheint ungelöst zu sein, nicht wahr? Es zieht uns wieder zur Tonika zurück, von der wir ausgegangen sind. Richtig? Dann spiele ich die beiden Akkorde in umgekehrter Reihenfolge, erst die Dominante und dann die Tonika: {datmp3}domton.mid.mp3{/datmp3}

Nun seid ihr zufrieden, oder? Ihr merkt, die Tonika wirkt wie ein Magnet; man kann sich von ihr entfernen, andere Akkorde spielen und in andere Tonarten wechseln, aber am Ende zieht es uns immer wieder zur Tonika zurück:

In diesem Magnetfeld - weg von der Tonika und wieder zurück zu ihr - liegt die Spannung, der Kontrast der verschiedenen Tonarten, das Aufregende der Sonatenform.

Schauen wir einmal, wie das in einem richtigen Musikstück abläuft. Das Beispiel ist wieder Mozart. Natürlich läßt er seine Sonate in der Grundtonart, der Tonika beginnen; das erste Thema der bekannten C-Dur-Klaviersonate (KV 545) steht also in C-Dur: {datmp3}mozartsonate01.mid.mp3{/datmp3}

Aber nun führt er uns, wie ein Zauberer, weg von der Tonika und lockt uns in eine neue Tonart, die Dominante: <{datmp3}mozartsonate02.mid.mp3{/datmp3}

Da sind wir in der Dominante gelandet: in G-Dur. Und in dieser neuen Tonart stellt uns Mozart ein neues, zweites Thema vor: {datmp3}mozartsonate03.mid.mp3{/datmp3}

Und dann, immer noch in G-Dur, erfindet er eine fanfarenähnliche Passage und beschließt damit die Exposition: {datmp3}mozartsonate04.mid.mp3{/datmp3}

Jetzt hat er seine Musik ganz fest in G-Dur, der Dominante, etabliert. Der Expositionsteil dieses Sonatensatzes ist zu Ende.

An dieser Stelle in der klassischen Sonate treffen wir für gewöhnlich auf das Wiederholungszeichen, was bedeutet, dass wir den ganzen A-Teil, die Exposition, wiederholen, das heißt, von vorn beginnen sollen. Wie bei dem Beatles-Song, wißt ihr noch? Das war die A-A-B-A-Form. Also hören wir die Exposition ein zweites Mal: erstes Thema, zweites Thema, Schlußgruppe, ausgehend von der Tonika und in der Dominante endend.

Die ganze Exposition ist wie der erste Akt eines Dramas: Jemand läuft von zu Hause weg - weg von der mächtigen Kraft der Tonika. Der nächste Akt, die Durchführung macht das Drama noch aufregender, führt noch schneller weg von zu Hause, wandert durch entlegene Tonarten, besinnt sich aber und kehrt am Ende doch wieder nach Hause zurück - in den dritten Akt, die Reprise. Wir wollen weglaufen, etwas erleben, ausreißen, frei sein; aber immer zieht uns dieser Magnet wieder zurück. Das ist das Dramatische daran. Der Komponist, in unserem Fall Mozart, läßt uns im zweiten Teil der Sonate, der Durchführung, seiner Phantasie freien Lauf. Die Themen, die er uns in der Exposition vorgestellt hat, wandern nacheinander in entlegende Tonarten, wie eine Reise in fremde Länder.

Weil aber gerade diese C-Dur-Sonate von Mozart ziemlich kurz ist, ist auch der Durchführungsteil kurz geraten. Mozart nimmt als einziges Thema die kleine Fanfare aus der Schlußgruppe der Exposition und jagt sie in der Durchführung durch die verschiedenen Tonarten: {datmp3}mozartsonate05.mid.mp3{/datmp3}

Das bringt uns zum dritten und letzten Teil der dreiteiligen Sonatenform, der Reprise.

In den meisten klassischen Sonaten ist das der Augenblick, in dem unser Magnet wieder die Oberhand gewinnt und uns zurück in die Tonika zieht. Und dann kommt die Exposition als dritter Teil der Sonate, als Reprise wieder - mit der Abweichung, dass wir hier die Grundtonart, dei Tonika, nicht mehr verlassen. Sogar das zweite Thema und die Schlußgruppe, die wir vorher in der Dominante gehört hatten, müssen brav in der Tonika bleiben. In der Reprise müssen wir alles in der Grundtonart hören. Am Ende des Satzes befinden wir uns wieder zu Hause, in C-Dur, von wo wir aufgebrichen sind, und die dramatische Flucht ist zu Ende.

Natürlich steckt Mozart, wie alle Genies, voller Überraschungen. Nicht immer spielt er nach den Regeln, aber bekanntlich darf man die Regel erst brechen, wenn man sie völlig beherrscht. Mozarts Musik macht uns solchen Spaß, weil er beinahe öfter die Regeln bricht, als dass er sich an sie hält. In unserer C-Dur-Sonate, in der die Reprise ja eigentlich in der Grundtonart C-Dur stehen sollte, macht uns Mozart eine lange Nase. Er bleibt den Lockungen des C-Dur-Magneten gegenüber standhaft und setzt die Reprise in die unerwartete Tonart F-Dur. {datmp3}mozartsonate06.mid.mp3{/datmp3}

Dann erst gibt Mozart nach, und der Tonika-Magnet siegt. Der Rest der Sonate bleibt im vertrauten C-Dur: <{datmp3}mozartsonate07.mid.mp3{/datmp3}

und der Satz ist zu Ende. {datmp3}mozartsonate08.mid.mp3{/datmp3}

 Das war gar nicht so schwer zu begreifen, oder? (Das Stück ist übrigens furchtbar schwer zu spielen, auch wenn es ganz leicht klingt.) Den formalen Aufbau kann man rasch erkennen. Versteht ihr nun, was ich mit Ausgewogenheit und Kontrast gemeint habe? Die Ausgewogenheit der dreiteiligen Form: Exposition, Durchführung, Reprise. Und der Kontrast zwischen der Tonika und der Dominante. Natürlich gäbe es noch viel mehr zu erklären: Zum Beispiel ist die kontrastierende Tonart nicht immer die Dominante; überall findet man Abweichungen von den Regeln. Dann gibt es besondere Einführungen, Introduktionen, am Beginn, am Ende vielleicht eine Coda, eine Art musikalisches Schlußwort; man muß sich schon eine Zeitlang damit beschäftigen, um alle Sonderfälle zu kennen. Aber die Grundform der Sonate bleibt immer gleich. Zwei Dinge müßt ihr euch merken: die magnetische Wirkung der Tonika und die A-B-A-Form. Wenn man mit diesem Wissen gewappnet ist, wird man sich in jeder klassischen Sonate zurechtfinden.

Um festzustellen, ob ich damit recht habe, schauen wir uns den letzten Satz eines Stücks aus dem 20. Jahrhundert an: Prokofieffs Symphonie Classique, eine herrlich freche Imitation der klassischen Sonatenform des 18. Jahrhunderts. Das erste Thema steht richtig in der Tonika: {datmp3}prokof01.mid.mp3{/datmp3}

und das zweite Thema in der Dominante: {datmp3}prokof02.mid.mp3{/datmp3}

und auch die Schlußgruppe in der Dominante: {datmp3}prokof03.mid.mp3{/datmp3}

Dann wird brav die ganze Exposition wiederholt. In der Durchführung werden diese drei Themen gründlich durcheinandergeschüttelt. Und dann folgt die Reprise, die alle Themen der Exposition bringt, und zwar alle in der Tonika. Ein perfektes Beispiel: die Sonatenform, einfacher und klarer geht es nicht mehr: A-A-B-A.

Ich hoffe, ihr werdet euch Prokofieffs Symphonie Classique einmal anhören und könnt dann im letzten Satz die Form genau verfolgen. Wenn ich nicht irre, seid ihr auf dem besten Weg kluge Musikhörer zu werden. Wie ich anfangs sagte: Jeder kann eine Melodie oder einen Rhythmus hören und genießen. Das ist nicht schwer. Aber der wahre Musikhörer hört viel mehr; er hört die Form des Stücks so deutlich, wie man eine dreiteilige Brücke über den Fluß erkennt. Wenn ihr auch manchmal nicht ganz sicher seid, versucht es immer wieder; bald werdet ihr merken, wieviel Spaß es macht, mit neuen Ohren auch die musikalische Form herauszuhören.

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